08.11.2021

«Wir haben viel Mut, Neues zu entwickeln.»

Dienstagvormittag, halb 10 im Gewächshaus von Hydroplant. An den unzähligen bunten Pflanzen kann man sich kaum sattsehen. Dieser einmalige Ort ist der Arbeitsplatz von Martina Rappl, Leiterin Fertigung bei Hydroplant. Und genau hier haben wir sie getroffen, um über ihren Beruf, über Innovationskraft und gigantische Projekte zu sprechen.

Schön, Sie hier in einem so farbenprächtigen Ambiente zu treffen. Sie fühlen sich hier rundum wohl, wie man sieht…
Absolut. Dieses Gewächshaus liegt in meiner Verantwortung und ich verbringe sehr, sehr viel Zeit hier.

Sie stammen ursprünglich aus Bayern. Wie kam es, dass Sie nun hier in der Schweiz bei Hydroplant tätig sind?
Ich bin gelernte Landschaftsgärtnerin und habe nach der Ausbildung berufsbegleitend den Bachelor of Engineering in Landschaftsbau und -Management absolviert. Während des Studiums erhielt ich die Chance, mehrere Auslandsemester an der ZHAW zu machen – und entdeckte dort meine Liebe zur Vertikalbegrünung. Zufälligerweise war ich im Rahmen eines Hilfsstudentenjobs in jenem Forschungslabor tätig, in welchem auch die Verticalis Pflanzenbilder von Hydroplant entwickelt wurden. Gegen Ende des Auslandsaufenthalts traf ich dann meinen heutigen Mann. 2015, nach langer Fernbeziehung, zog ich schliesslich von Oberbayern in die Schweiz. Für mich war völlig klar, dass ich weiter nah an der Fassadenbegrünung arbeiten möchte. Vor rund drei Jahren erhielt ich die Möglichkeit, mir diesen Traum zu erfüllen: Ich wechselte vom Berufsverband JardinSuisse in die jetzige Position bei Hydroplant.

«Zufälligerweise war ich im Rahmen eines Hilfsstudentenjobs in jenem Forschungslabor tätig, in welchem auch die Verticalis Pflanzenbilder von Hydroplant entwickelt wurden.»

Was genau sind Ihre Tätigkeiten und Aufgaben als Leiterin Fertigung?
Im Grunde bin ich klassische Betriebsleiterin, habe das ganze Gewächshaus, in dem wir gerade sitzen, sowie die zwölf Mitarbeitenden, die hier tätig sind, unter meiner Obhut. Ich bin zuständig für eine ökonomische Koordination der Produktion, der Fertigung und der Logistik. Würde ich ins Detail gehen, sässen wir wohl morgen noch hier (lacht), darum kurz zusammengefasst: Ich trage die Verantwortung, dass alles punktgenau gefertigt und ausgeliefert wird und beim Kunden genau so platziert ist und funktioniert , wie es sein soll.

Was meinen Sie, welche persönlichen Fähigkeiten und Eigenschaften kommen Ihnen im Berufsalltag besonders zugute?
Entscheidend ist meine Liebe zum Grün, davon bin ich überzeugt. Darüber hinaus verfüge ich über eine gute Beobachtungsgabe und erkenne schnell Zusammenhänge, beispielsweise wie eine Pflanze reagiert und wie es ihr geht. Beim Coaching von Mitarbeitenden ist es sicherlich wertvoll, dass ich selbst sehr viel erlebt habe und aus meiner Komfortzone ausgebrochen bin. Ich wechselte vom recht staubigen, rauen Baubusiness in die eher filigrane Innenraumbegrünung und bin aus meiner Heimat in ein anderes Land und ein ganz neues Umfeld gezogen. Das war definitiv eine wertvolle Erfahrung.

Was war bisher Ihr eindrücklichstes Projekt?
Das war eine Innenbegrünung mit über 10’000 Sukkulenten…

«Das Hantieren mit den stacheligen Pflanzen war teilweise ganz schön unangenehm. Pinzetten und Eisspray waren permanent im Einsatz»

Wow, das klingt gigantisch!
Das war es auch. Wir mussten stillgelegte Gewächshäuser reaktivieren, um die insgesamt 520 Pflanzenbeete in kürzester Zeit mit den Sukkulenten bestücken zu können. Sie können sich vorstellen, das Hantieren mit den stacheligen Pflanzen war teilweise ganz schön unangenehm. Pinzetten und Eisspray waren permanent im Einsatz (lacht). Aber es war einfach genial, wie alle angepackt und mitgefiebert haben, damit das einmalige Projekt rechtzeitig finalisiert werden konnte.

Wie viel Innovationskraft steckt Ihrer Meinung nach in Hydroplant?
Eine ganz grosse Portion. Ich denke, wir haben insgesamt sehr viel Mut, Neues zu entwickeln und auszuprobieren. Wir kombinieren Traditionelles mit Innovativem und passen uns den gesellschaftlichen Veränderungen und Bedürfnissen aktiv an. Denken wir nur mal an die Art und Weise, wie moderne Arbeitswelten aussehen. Wo früher fixe Arbeitsplätze der Standard waren, setzt man heute auf Activity Based Working. Und das verlangt auch andere Formen der Innenraumbegrünung. Hydroplant geht mit diesen Entwicklungen mit. Und das finde ich enorm spannend und motivierend.

Wo sehen Sie in Ihrer Branche noch ungenutztes Potenzial?
Ganz klar in der Begrünung von Fassaden. Langsam aber sicher wird der grosse Nutzen von Experten und auch von der Bevölkerung erkannt – ich bin sicher, da wird über die kommenden Jahre hinweg noch ganz viel gehen. Ebenfalls kann ich mir gut vorstellen, dass wir in Zukunft vermehrt temporäre Begrünungen im Innenraum realisieren. So wie beispielsweise in der Fondation Beyeler in Basel vor ein paar Monaten, im Rahmen einer Ausstellung.

Welches Projekt würden Sie persönlich gerne einmal realisieren?
Eine Art Masoalahalle wie im Zoo Zürich wäre sehr cool. Ein Raum voller exotischer Pflanzen, von klein bis ganz gross, abgestimmt auf die bewohnenen Tierarten. Solch eine Habitat-Erschaffung fände ich super und wäre ein weiteres Hydroplant-Projekt mit grosser Strahlkraft – in der Öffentlichkeit wie auch in der Innenraumbegrünungsszene.

Wie grün sieht’s eigentlich bei Ihnen zuhause aus?
Ich habe das Glück, eine Art Wintergarten zu haben. Der ist bei uns voll mit essbaren Pflanzen. Vanille, Guave, Kaffeebaum, Kardamom, mexikanischer Blattpfeffer. Ich liebe das, wenn eine Pflanze nicht nur schön aussieht, sondern auch gleich noch Lebensmittel produziert! Ausserdem nehme ich ab und zu auch Pflanzen aus dem Gewächshaus bei mir auf, wenn diese schwächeln und aussortiert werden und päppel sie wieder auf.

Und ihr grüner Liebling?
Das ist die Maracujapflanze, eine Passionsblumen-Art. Ich habe selbst eine zuhause, die bis zur Decke rankt. Und weil sie kleine Zuckertröpfchen absondert, zog letztes Jahr sogar eine Wespe ein, die sich von ihr ernährte. Schön, oder?

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